Freiheit ist keine Privatsache
Ein Satz machte Klaus Wowereit berühmt. Doch hinter "Ich bin schwul - und das ist auch gut so" steht ein Leben, das von weit mehr erzählt. Als jüngstes von fünf Kindern wächst Wowereit in bescheidenen Verhältnissen im Berliner Bezirk Tempelhof auf. Er ist der Erste seiner Familie, der studiert, wird Jurist, Kommunalpolitiker und schließlich Regierender Bürgermeister. Sein Lebensweg verkörpert ein klassisches sozialdemokratisches Versprechen: Nicht die Herkunft soll über die Zukunft eines Menschen entscheiden, sondern seine Fähigkeiten und die Chancen, die ihm die Gesellschaft eröffnet. Mit seinem öffentlichen Coming-out im Jahr 2001 verändert Wowereit nicht nur seine eigene politische Laufbahn. Er trägt dazu bei, wie die Bundesrepublik über homosexuelle Liebe, gleichgeschlechtliche Partnerschaft, Sichtbarkeit und persönliche Freiheit spricht. Dreizehneinhalb Jahre lang regiert er eine Stadt im Umbruch. Das hoch verschuldete und noch immer von der Teilung geprägte Berlin gewinnt neues Selbstvertrauen, kulturelle Strahlkraft und internationale Anziehungskraft. Zugleich wird die Hauptstadt zum Prüfstand sozialdemokratischen Regierens: Wie lassen sich Freiheit und soziale Sicherheit, Wachstum und Teilhabe, Haushaltsdisziplin und öffentliche Verantwortung miteinander verbinden? Zu Wowereits Berlin gehören politische Erfolge ebenso wie harte Sparmaßnahmen, der Verkauf kommunaler Wohnungen, die Konflikte um Tempelhof und Mediaspree - und ein Flughafen, der sich politischen Zeitplänen mit bemerkenswerter Ausdauer widersetzte. Dieses Buch erzählt von Erfolgen und Kompromissen, von Aufstieg und Verantwortung, von sozialdemokratischen Werten wie Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Und es erzählt von Wowereits langjähriger Beziehung zu Jörn Kubicki, von offen gelebter Liebe und von einem Verlust, der bleibt. So entsteht das vielschichtige Porträt eines politischen Menschen: Bildungsaufsteiger, Sozialdemokrat, schwuler Wegbereiter und Regierender Bürgermeister einer Stadt, die lernen musste, ihre Freiheit neu zu verstehen. Denn: Freiheit ist keine Privatsache. Sie muss sichtbar werden, politisch gestaltet und immer wieder verteidigt werden.
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